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9.4 Stochastische Erscheinungen in der Wirtschaft

Die bisher verwendeten linearen Modelle haben im Vergleich mit der Wirklichkeit u.a. die Vereinfachung, dass, wenn die Parameter einmal festgelegt sind, diese ganz determiniert wirken und zu eindeutigen und exakten Ergebnissen führen. Der Zufall hat da zunächst keinen Raum. Die realen Wirtschaftsprozesse, die von Menschen vollzogen werden unterliegen aber individuellen zufälligen Streuungen. Weder die Bedürfnisse der Menschen sind exakt festgelegt, noch die Produktionsverfahren sind derart eindeutige Input-Output-Funktionen.

Es ist möglich solche stochastischen Elemente in die Modelle und in die entsprechenden Simulationsrechnungen einzuführen. In vorangegangenen Simulationsprogrammen habe ich auch bereits mit stochastischen Elementen experimentiert. Es erschien mir aber dann sinnvoller, erst einmal mit möglichst exakten Verhaltensweisen der Modelle meine Untersuchungen durchzuführen, um die grundlegenden Verhaltensweisen dieser Modelle und der abzubildenden Objekte nicht zu verschleiern. Es muss späteren Untersuchungen vorbehalten bleiben, stochastische Erscheinungen zu berücksichtigen, was sicher zu einigen interessanten Erkenntnissen führen wird. Ich erwarte von den stochastischen Ereignissen z.B. Wirkungen auf Stabilität der Wirtschaftssysteme und Aussagen über Streuungen um den optimalen Zustand.

Dazu ein Beispiel: In einem exakten Modell kann immer zwischen zwei konkurrierenden Technologien entschieden werden, welche gerade die effektivere ist. In einer exakt optimalen Wirtschaftsstruktur wird immer nur genau ein "bestes" Verfahren angewendet. Wenn die Produktivität dieser beiden Technologien fast gleich ist und durch mehrere kleine Innovationen mal das eine und mal das andere Verfahren die Nase vorn hat, würde das in dem eindeutigen Modell bedeuten, dass jedes mal versucht wird, das eine Unternehmen völlig stillzulegen und für die andere Technologie, die z.Z. gar nicht angewendet wird, ein Unternehmen aufzubauen. Das würde mehrfach wechseln und zu unnötigen erheblichen Umstrukturierungen führen. Wenn aber aufgrund stochastischer Entscheidungsungenauigkeiten, dieser exakte Vergleich der Technologien nicht möglich ist, können fast gleichwertige Technologien problemlos mit entsprechenden Anteilen nebeneinander existieren.

In meinen Simulationen der Übergänge von einer optimale Wirtschaftsstruktur zu einer anderen war in der Regel zu beobachten, dass aufgrund oft nur geringer Versorgungsengpässe die Anzahl der Arbeiter erst einmal zurück ging, wenn auch nur geringfügig. Diese konsequenter Reaktion ist der Bestimmtheit der Festlegung der Bedürfnisvektoren der Modells geschuldet. In der Realität würden die einzelnen Individuen zeitweilig ihren Konsum auch unter das gesellschaftlich anerkannte Existenzminimum absenken können, ohne gleich zu verhungern. Das kann mit stochastischen Elementen realitätsnäher modelliert werden. Die Konsequenz dieser Modellverfeinerung wäre, dass dann auch bei Vollversorgung Arbeiter stochastisch bedingt scheinbar unmotiviert sterben würden, wie im richtigen Leben. In der Simulation würde diese Realitätsnähe dann die Interpretation der Erscheinungen erschweren, auch wie im richtigen Leben.

Schlussfolgerung: Es sind zukünftig beide Wege zu gehen, sowohl mit als auch ohne Berücksichtigung stochastischer Modellelemente. Am Anfang sind, wegen der besseren Übersicht deterministische Modelle sicher zu bevorzugen.

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