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1 Einleitung

Die Zeiten sind vorbei, wo es reicht darüber zu reden, wie die Marktwirtschaft oder sonst ein volkswirtschaftliches System funktioniert oder funktionieren sollte. Wenn es nicht gelingt, wenigstens ein annäherndes Modell dessen, was man untersuchen will zu erzeugen, beweist das nur, dass man eigentlich noch nichts rechtes davon weiß. Damit soll das mathematische Modell nicht als der Stein des Weisen erhoben werden. Der erste Schritt im Erkenntnisprozess ist regelmäßig das Sammeln von empirischen Fakten und ihre verbale Beschreibung, der zweite Schritt ist dann die Entwicklung einer Theorie, die systematisiert aber auch vereinfacht und möglichst mathematische Hilfsmittel benutzt. Der dritte Schritt ist dann die kritische Diskussion der Ergebnisse der Theorie, die dann natürlich wieder auf verbale Darstellungsmittel zurückgreift und sich mit Mängeln und auch Fehlern der Theorie befasst. Der zweite und der dritte Schritt können beliebig oft wiederholt werden.

Eine dieser Wiederholungen möchte ich ausführen, um dadurch mit mathematischen und rechentechnischen Erfahrungen und marxistischem Gedankengut die theoretische Krise in der Volkswirtschaftslehre bzw. politischen Ökonomie überwinden zu helfen.

Die mathematische Beschreibung einer gesamten Volkswirtschaft in der Form der makroökonomischen Theorie ist die gängige Methode der Protagonisten der kapitalistischen Marktwirtschaft. Dabei streiten sich dann die Monetaristen und die Keynesianer, ob das volkswirtschaftliche Gleichgewicht bei Vollbeschäftigung liegen muss oder auch bei Teilbeschäftigung liegen kann. Dabei haben sie ihre Modelle durch die konsequente Aggregation (Zusammenfassung) der Wirtschaftssubjekte und Wirtschaftsobjekte bereits kastriert, so dass diese nur noch das Aussagen können, was sie hören wollen.

Der Modellansatz von John von Neumann und einige nachfolgende Erweiterungen, die die Aggregation aufgeben, fristen ein Schattendasein in den einschlägigen Lehrbüchern als zu einseitige Theorie auf dem Teilgebiet der Wachstumstheorie.

Die rechentechnischen Voraussetzungen haben sich inzwischen so weit verbessert, dass die Aggregationen der Makroökonomik nicht mehr notwendig sind. Die Kosten für die Rechentechnik sind inzwischen soweit gesunken, dass es auch mit bescheidenen privaten Mittel möglich ist, umfangreiche mathematische Modelle zu handhaben. Dadurch war es mir möglich, ohne fremde Mittel eigene Untersuchungen auf dem Gebiet der Wirtschaftswissenschaften anzustellen.

In den sozialistischen Länder war die erforderliche Rechentechnik für diese Untersuchungen für wissenschaftliche Institutionen bereits in den siebziger Jahren verfügbar. In den kapitalistischen Ländern vermutlich schon in den sechziger Jahren. Aber um neue Möglichkeiten konsequent auszunutzen, bedarf es nicht nur neuer Technik, sondern auch einer Bereitschaft sich von alten Denkgewohnheiten zu trennen und neue Wege zu gehen.

Ausgehend von einem linearen Modellansatz, ähnlich dem Neumannschen, aber mit wesentlichen Erweiterungen, habe ich versucht die Eigenbewegung der Marktwirtschaft zu simulieren, um Klarheit über die Krisenerscheinungen der kapitalistischen Marktwirtschaft zu erlangen. Dabei geht es mir aber nicht nur darum, die existierende Marktwirtschaft als die einzig mögliche nur besser zu beschreiben, sondern in erster Linie darum, konkret begründbare Auswege aus der Krise zu finden.

Deshalb habe ich zunächst damit begonnen, eine kapitalistische Marktwirtschaft nach den traditionellen Vorstellungen mit meinen Mitteln zu modellieren. Nachfolgend habe ich mich davon entfernt und durch kreative Modifizierung versucht, theoretische Lösungsmöglichkeiten zu finden. Meine Untersuchungen haben nicht den Stand erreicht, dass ich behaupten kann, ich hätte ein mathematisches Modell einer sozialen Marktwirtschaft entwickelt, dessen praktische Realisierbarkeit und Funktionsfähigkeit mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist. Die bisher erzeugten und getesteten Modelle haben mir aber bereits so viele Erkenntnisse geliefert, dass ich davon und mit Hilfe meiner sonstigen Kenntnisse und Erfahrungen inspiriert wurde, verbal ein Konzept für eine echte soziale bzw. sozialistische Marktwirtschaft zu entwerfen, welche im dritten Band dargestellt wurde.

Um diesen zwischenzeitlichen Erkenntnisstand auch anderen interessierten Lesern zu vermitteln, damit diese eventuell auch auf diesem Gebiet und in diese Richtung eigene Untersuchungen anstellen können oder bereits vorhandene eigene Untersuchungen einbringen können, sollen in diesem Band meine Modelle und einige bisher ausgeführte Testbeispiele ausführlich dargestellt und anschließend kritisch kommentiert werden. Probleme und weitere notwendige Untersuchungsrichtungen werden angegeben.

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