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3.5 Optimale Wirtschaftsstrukturen tendieren zu technologischen Monopolen

Beispielrechnungen mit meinem Modell zur Suche optimaler Wirtschaftsstrukturen ergaben folgende prinzipielle Ergebnisse

Wenn es für jedes produzierte Gut mindestens ein aber meistens mehrere Produktionsverfahren gibt, so kommen in einer optimalen Wirtschaftsstruktur immer nur genau so viele verschiedene Produktionsverfahren zum Einsatz, wie es verschiedene produzierte Güter gibt. Dadurch müßte bei einem bestimmten Entwicklungsstand der Produktivkräfte immer genau ein Produktionsverfahren für jeweils ein Gut existieren. Damit hat dann jeweils eine Technologie für jedes Produkt mindesten zeitweilig eine Monopolstellung.

Wird für ein Produkt ein neues effektiveres Verfahren entwickelt, oder ein bereits vorhandenes anderes Verfahren wird durch Weiterentwicklung auf einmal das effektivste, so ist die Wirtschaftsstruktur erst dann wieder optimal, wenn das neue Verfahren das alte vollständig abgelöst hat. Dadurch können relativ kleine technologische Weiterentwicklungen relativ große Strukturänderungen auslösen.

In der Praxis tritt dieses Problem aber nicht in dieser Schärfe auf. Oft gibt es auch verschiedene Verfahren für das gleiche Produkt, die in ihrer Produktivität dicht bei einander liegen. Theoretisch müßte nach meinem Modell im Optimum genau ein Verfahren dominieren. In der Praxis können aber oft verschieden Verfahren längere Zeit parallel existieren. Der Grund dafür besteht darin, daß das Preis-Leistungs-Verhältnis der Verfahren nicht so exakt bewertet werden kann, so daß sich die Kunden zufällig mal für den einen und mal für den anderen Produzenten entscheiden. Diese Ungenauigkeiten in der praktischen Bewertung der Produktionsverfahren in meinem Modell zu berücksichtigen, ist eine für die Zukunft noch ausstehende interessante Aufgabe.

Im Kapitalismus ist durch Kapitalkonzentration auch eine Tendenz zur wirtschaftliche Monopolbildung zu beobachten, die wegen des dann fehlenden Wettbewerbs unerwünscht ist. Falls nach einer Innovation ein Produzent mit seinem neuen Erzeugnis oder seiner neuen Technologie ein Monopol errungen hat, müßte dieser sich im Interesse des Erhalts des Wettbewerbs eigentlich in zwei konkurrierende Produktionseinheiten mit vorläufig gleichem Produktionsverfahren teilen. Statt dessen ist in der kapitalistischen Praxis das Gegenteil zu beobachten. Konzerne, die durch ein neues Verfahren hohe Gewinne gemacht haben, versuchen mit diesem Geld, Betriebe aus anderen Branchen aufzukaufen, um sich auch dort noch breit zumachen. Das kapitalistische Marktprinzip wirkt also doppelt konträr gegen den Erhalt des Wettbewerbs. Ein typisches Beispiel dafür ist die Entwicklung des Konzerns Microsoft, der durch sein Monopol mit dem Betriebssystem MS-DOS, anschließend noch das Monopol in der Internet-Zugangs-Software anstrebte und auch fast erreicht hat, ohne sich dabei erneut durch besondere technische Leistungen hervor getan zu haben.

Im modernen Kapitalismus wird versucht mit Kartell-Verbots-Gesetzen diesem Problem zu begegnen, allerdings nur sehr halbherzig, indem einige Fusionen nicht erlaubt werden. Der Fall Microsoft ist der einzige mir bekannte Fall, wo eine Firma dazu verurteilt wurde, sich zu teilen. Diese Teilung wurde aber nicht etwa angeordnet, weil ein Monopol entstanden war, sondern weil die Firma ihr Monopol bereits nachweisbar schamlos ausnutzte. Außerdem ist dieses Urteil noch nicht rechtskräftig und die Teilung noch lange nicht erfolgt.

In einem Konzept einer sozialistischen Marktwirtschaft mit selbstoptimierenden Strukturen ist die Tendenz zur Bildung technologischer Monopole zu berücksichtigen und durch geeignete Spielregeln trotzdem ein fairer Wettbewerb zwischen den konkurrierenden Produktionseinheiten zu organisieren.

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