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3.2 Drei Kriterien einer optimalen Volkswirtschaft

Solange wir den Anspruch nicht aufgegeben haben, ein soziales Wirtschaftssystem anzustreben, ist das erste Kriterium an eine optimale Wirtschaftsstruktur die vollständige Versorgung der gesamten Bevölkerung mit den notwendigen Konsumgütern. Dazu gehören sowohl die Produktion eines bedarfsgerechten Sortiments der Konsumgüter als auch die Produktion der dazu notwendigen Produktionsmittel. Dabei muß gewährleistet sein, daß diese Bedingungen nicht nur im aktuellen Reproduktionszyklus erfüllt wird, sondern auch in Zukunft realisierbar bleiben.

Der Bedarf an notwendigen Konsumgütern ist endlich, relativ konstant innerhalb der Bevölkerung einer geographischen und kulturellen Region und über die Zeit und relativ objektiv bestimmbar, auch wenn man sich über eine exakte Abgrenzung streiten kann

Ein zweites Kriterium an eine optimale Wirtschaftsstruktur ist eine maximale bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung mit zusätzlichen Konsumgütern. Nach Befriedigung der notwendigen Bedürfnisse kann ein noch vorhandenes Potential der Produktivkräfte bis zur vollen Auslastung zur bedarfsgerechten Produktion von zusätzlichen Konsumgütern dienen. Dabei natürlich auch wieder unter Berücksichtigung der Produktion der dazu notwendigen Produktionsmittel.

Güter des zusätzlichen Konsums sind nur zum Teil Luxusartikel, die für die einfache Reproduktion der Arbeitskraft nicht unbedingt notwendig sind, die aber das Leben angenehmer machen. Zu den Gütern und Dienstleistungen des zusätzlichen Konsums sollen auch Produktionsleistungen gehören, die die materielle Basis für kulturelle, wissenschaftliche oder auch sportlichen Betätigung bilden und was es sonst noch für individuelle oder gemeinschaftliche Aktivitäten gibt. Als Abgrenzung gegenüber den notwendigen Konsumgüter gilt aus ökonomischer Sicht nur das Kriterium, daß sie nicht für die einfache Reproduktion der Arbeitskraft auf niedrigem Niveau benötigt werden und deshalb relativ frei von ökonomischen Zwängen disponiert und verwendet werden können. Dementsprechend trägt ihre Nutzung nicht auf direktem Wege zur weiteren gesellschaftlichen Reproduktion bei. Ausführlicher dazu siehe Abschnitt 8 .

Die menschlichen Bedürfnisse nach Gütern des zusätzlichen Konsums sind ihrem Wesen nach prinzipiell unbegrenzt. Sie entwickeln sich erfahrungsgemäß mit den sich entwickelnden Möglichkeiten der Produktivkräfte und eilen diesen immer etwas voraus. Für die wirtschaftswissenschaftlichen Betrachtungen ist es zunächst unbedeutend, woraus die jeweils konkreten Bedürfnisse nach zusätzlichem Konsum resultieren und wie sinnvoll sie sind. Dabei muß natürlich weiterhin gewährleistet sein, daß diese Bedingungen nicht nur im aktuellen Reproduktionszyklus erfüllt wird, sondern auch in Zukunft realisierbar bleibt, also ohne Überlastung der natürlichen Ressourcen.

Wie bereits als Bedingung für die Produktion notwendiger und zusätzlicher Konsumgüter erwähnt, kann man als drittes Kriterium einer optimalen (vernünftigen, sinnvollen) Wirtschaftsstruktur die ökologische Nachhaltigkeit angeben. Idealziel ist ein reiner Ressourcenkreislauf, der sicher nicht vollständig erreichbar ist, aber möglichst weitgehend angestrebt werden muß, so daß über unseren überschaubaren Zeitraum hinaus die natürlichen Voraussetzungen für die gesellschaftliche Existenz erhalten bleiben.

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