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2 Das Erscheinungsbild der kapitalistischen Marktwirtschaft und des Staatssozialismus

Das Erscheinungsbild des Kapitalismus ist nach wie vor geprägt durch soziale Polarisierung. In den Industriestaaten gibt es neben wenigen sehr reichen eine relativ breite Schicht mit gutem sozialen Standard, zur der auch viele Proletarier gehören, und eine Minderheit mit ernsthaften sozialen Problemen. In den Entwicklungsländern gibt es teilweise auch einige sehr reiche, eine wesentlich kleinere Mittelschicht und eine breite Schicht, in Existenz bedrohender Armut lebender Menschen.

Massenhafte Arbeitslosigkeit auch in den Industrieländern wird heute als unvermeidbar angesehen. Damit einher geht auch eine soziale Verunsicherung, weil die Arbeitslosigkeit inzwischen alle Schichten treffen kann.

Insbesondere in den Entwicklungsländern führt das zu politischen Instabilitäten durch radikale oft religiös und/oder ethnisch gefärbte Bewegungen. Aber auch in den Industrieländern, wo sich die Verteilungskämpfe verschärfen, wird die bürgerliche Demokratie gefährdet durch Konzeptlosigkeit, Korruption und Vetternwirtschaft der Politiker der noch herrschenden bürgerlichen Parteien. Dadurch wird der Weg geebnet für wieder aufkeimende rechtsradikale Bewegungen.

Der Zwang zum Wachstum, um die erhofften Profitraten zu sichern, führt zu rücksichtsloser Überbeanspruchung der natürlichen Ressourcen. Zur Sicherung bestehender und Erschließung neuer Märkte wird der Krieg wieder zu einem politischen Mittel.

Was die kapitalistische Marktwirtschaft aber weiterhin attraktiv macht, ist ihr erhebliches Potential für technologische Innovationen und ihre Flexibilität, sich an neue Situationen doch immer wieder anzupassen. Allerdings gehen dabei die Innovationen oft merkwürdige Wege. So werden teilweise Entwicklungen gemacht, für die kein echtes Bedürfnis besteht, und es werden mit großen Aufwand Bedürfnisse entwickelt für Produkte, mit deren Vermarktung Gewinne erwartet werden.

Die kapitalistische Gesellschaft, als die letzte spontan entstandene Gesellschaftsordnung, hat die Fähigkeit, sich nach großen wirtschaftlichen Krisen oder nach Kriegen relativ spontan zu restaurieren. Dabei erweist sich das mögliche politische Spektrum kapitalistischer Marktwirtschaften als sehr flexibel. Es reicht von faschistischen Diktaturen bis zur bürgerlich parlamentarischen Demokratie. Diese Spontaneität des Kapitalismus kann aber nicht als positives Merkmal akzeptiert werden, weil sie während der Krisen für große Teile der Bevölkerung eine gewaltige wirtschaftliche Katastrophe bedeutet und die Menschheit sozial, global und ökologisch vor unlösbare Probleme stellt.

In den Ländern des ehemaligen sozialistischen Lagers , nachfolgend kurz Staatssozialismus genannt, war die Problemlage eine andere. In dem Versuch mit den entwickelten kapitalistischen Industrieländern wirtschaftlich zu konkurrieren, waren sie unterlegen.

Mit der zentralen Planwirtschaft war man nicht in der Lage, eine gesamte Volkswirtschaft effektiv zu leiten. Eine übertriebene sozialen Gleichheit (Gleichmacherei) durch zu starke Nivellierung der Löhne und die belastende Administration von oben hemmte die persönlichen Initiativen und wirkte sich ebenfalls negativ auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit aus.

Der offensichtlich größer werdende Abstand der Produktivität zu den führenden westliche Ländern ließ die Attraktivität der sozialistischen Idee in breiten Kreisen der Bevölkerung sinken, was von der politische Führung wahrgenommen wurde. Aus Angst vor dem Machtverlust wurden deshalb die Machtinstrumente, die aufgrund des harten Kampfes um die Macht in der revolutionären Anfangsphase bereits geschaffen wurden, weiter ausgebaut, anstatt sie allmählich in demokratischere Formen umzubauen. Auch die ständige Konfrontation der Systeme im heißen und kalten Krieg führte zur Verfestigung undemokratischer Strukturen. Aus den revolutionären Aktivisten bildete sich eine isolierte politische Kaste, die offenbar resignierte und ihre ursprünglichen Ziele verriet.

Im wirtschaftlichen Konkurrenzkampf mit dem Kapitalismus wurden auch im Staatssozialismus in verantwortungsloser Weise die natürlichen Ressourcen strapaziert.

Trotz der großen wirtschaftlichen Probleme und der ungünstigen historischen Ausgangsbedingungen ist es aber gelungen zu zeigen, daß es mögliche ist, ein System sozialer Gleichheit und ohne Arbeitslosigkeit über mehrere Jahrzehnte aufrecht zu erhalten, und für die gesamte Bevölkerung Bildung, medizinische Versorgung und kulturelle Betätigung zugänglich zu machen.

Damit sind aber nur einige wesentliche Erscheinungsformen zweier insgesamt unbefriedigender Gesellschaftsordnungen aufgezählt, was von anderen sicher bereits besser und ausführlicher gemacht wurde. Der Bücher "Nachdenken über Sozialismus" [10] und "ReformAlternativen" [11] sind in diesem Zusammenhang als ausführliche Quellen zu empfehlen.

Bei der Suche nach Alternativen ist es wichtig, nach den Ursachen für die Probleme zu suchen, um geeignete Schlußfolgerungen zu ziehen. Als Vorbereitung dafür sollen als nächstes einige theoretische Ausführungen folgen.

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