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7.2 Ein neuer Beruf entsteht

Im Rahmen der Entwicklung der Produktivkräfte durch Entwicklung neuer Produkte und Produktionstechnologien entstehen auch neue Berufe. In einem weiteren Beispiel soll gezeigt werden, wie sich ein neuer Beruf auf das Lohnsystem auswirken kann. Es wird wieder von dem ursprünglichen Demonstrationsbeispiel ausgegangen. Die Matrix der individuellen Produktivitäten wird um einen Beruf j3=5 erweitert. Die Anzahl m2 der Leistungsgruppen bleibt konstant.

     j3:       1    2    3    4    5

Außerdem wird der Bedarfsvektor db0 um eine 5.Komponente erweitert.

   db0neu = [2     3     3      4      1   ]

Alle anderen primären Parameter bleiben gleich.

Die Simulationsrechnung über n4=300 Zyklen konvergiert ähnlich, wie das ursprüngliche Beispiel. Es ergibt sich natürlich eine andere optimale Beschäftigungsmatrix ac

Damit ergeben sich auch andere optimale Stücklöhne lsoptimal und andere individuelle Löhne loptimal.

   lsoptimal,neu  =  [0,110   0,110   0,440   0,293  0,978]    lsoptimal,alt = [0,103    0,276   0,414  0,276]

Durch die Einführung des neuen Berufes wird die 8.Leistungsgruppe zum großen Verlierer. Ihr realisierter individueller Lohn verringert sich auf weniger als die Hälfte, während sich alle anderen Leistungsgruppen leicht verbessern. Dabei muß betont werden, daß diese Veränderung nur auf eine Änderung der Leistungsbewertung zurück zuführen ist und nicht auf eine geringere tatsächliche Arbeitsleistung. Die Arbeiter der Leistungsgruppe 8 erhielten im Beruf 2 früher einen Lohn in Höhe von 1,66. Für die gleiche Arbeit erhalten sie nach Einführung des neuen Berufs nur noch einen Lohn von 0,66, wobei das gesamtgesellschaftliche Lohnniveau mit dem Wert 1 konstant geblieben ist. Diese Umbewertung der Leistung mag dem einzelnen ungerecht erscheinen. Sie ist aber keine willkürliche oder subjektive Bewertung, sondern objektiv bedingt durch den Arbeitsmarkt, dessen Aufgabe es ist, eine optimale Beschäftigungsstruktur zu erzeugen.

Die Parameter dieses Beispiels wurden willkürlich gewählt, um die mögliche Dynamik einer Leistungsbewertung prinzipiell zu demonstrieren. Wie stark sich solche Entwicklungen in der realen Wirtschaft auswirken, kann hier noch nicht gesagt werden und erfordert weitere Untersuchung mit realistischen Parametern und einem erheblich größeren Berechnungsaufwand. Dieses Beispiel darf auch nicht dazu dienen, erhebliche Lohnunterschiede und -schwankungen in der realexistierenden kapitalistischen Marktwirtschaft zu rechtfertigen, da hier aufgrund fehlender theoretischer Grundlagen viel Willkür herrscht. Ziel dieser Untersuchungen ist es, diese Willkür zu reduzieren. Ich sehe meine Untersuchung nur als einen Schritt auf dem Weg zu einer befriedigenden Lösung des Problems der objektiv begründeten und damit gerechten individuellen Leistungsbewertung der menschlichen Arbeit.

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