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7 Einige ausgewählte Untersuchungen zur Demonstration der Leistungsfähigkeit des Modells

7.1 Veränderung der Leistungsbewertung zwischen den einzelnen Berufen durch Veränderung der Leistungsbedarfsstruktur

Anhand einer Variation des Demonstrationsbeispiels soll nun gezeigt werden, wie sich die individuelle Leistungsbewertung ändert durch Änderung der Struktur des gesamtgesellschaftlichen Bedarfs an Arbeitsleistungen. Als einziger Parameter wird in der bedarfsgerechten Leistungsstruktur db0 der Parameter db01 von 2 auf 4 geändert.

   db0neu       = [  4        2        3         4     ]           db0alt = [2         2         3         4    ]

Die Simulationsrechnung über n4=300 Zyklen konvergiert ähnlich, wie das ursprüngliche Beispiel. Es ergibt sich natürlich eine andere optimale Beschäftigungsmatrix ac

Damit ergeben sich auch andere optimale Stücklöhne lsoptimal und andere individuelle Löhne loptimal.

lsoptimal,neu=[0,242 0,242 0,364 0,242] lsoptimal,alt=[0,103 0,276 0,414 0,276]

Ein Vergleich zwischen den realisierten individuellen Löhnen (fett gedruckt) und den potentiellen Löhnen zeigt, daß erwartungsgemäß auch hier alle potentiellen Löhne niedriger sind als die realisierten, so daß kein Arbeiter in diesem optimalen Zustand der Beschäftigungsmatrix das Bestreben hat, den Beruf zu wechseln und damit die optimale Beschäftigungsmatrix zu verschlechtern.

Interessanter ist jedoch der Vergleich der Löhne zwischen dem alten und dem neuen Beispiel. Nur durch unterschiedlichen Bedarf der Gesellschaft werden gleiche Arbeiten innerhalb eines Berufs unterschiedlich bewertet. Damit ist ein wesentlicher Unterschied zwischen dem Leistungsbegriff in der Physik und dem Leistungsbegriff im Bereich der gesellschaftlichen Arbeit zu erkennen. In der Physik sind die Umrechnungsfaktoren zwischen den verschiedenen Leistungen bzw. Energieformen immer gleich. In der gesellschaftlichen Arbeit gibt es zwar aufgrund der Notwendigkeit der Optimierung der gesamtgesellschaftlichen Beschäftigungsstruktur eine Vergleichbarkeit verschiedener Arbeitsleistungen über die Quantitäten der individuellen Löhne innerhalb eines Arbeitsmarktes. Diese Vergleiche sind aber nur relativ, da sie stets vom aktuellen Entwicklungsstand der gesamtgesellschaftlichen Produktivkräfte abhängen.

Dieses Beispiel ist ein Beleg dafür, daß die Anwendung der darwinistischen Ideologie, daß der Stärkere (=Bessere =Leistungsfähigere) gewinnt und der Schwächere das Überleben nicht verdient hat, auf eine menschliche Gesellschaft mit gemeinschaftlicher Produktion nicht anwendbar ist. Dieses Argument wird nur gern von denen benutzt, die gerade eine günstigere Position bei der Verteilung der gesellschaftlichen Güter erwischt haben. Mit dieser Ideologie wird nämlich stillschweigen angenommen, daß menschliche Leistungsfähigkeit ähnlich der physikalischen Leistung eine für sich feststehende Größe sei und wer diese Leistung nicht oder nur in geringem Maß erbringen kann, ist ein für allemal minderwertig bzw. nutzlos für die Gesellschaft. Das ist offensichtlich falsch. In einer Gesellschaft mit kollektiver Arbeit bringt das Spektrum der verschiedenen Produktivitätsprofile die Möglichkeit der gesamtgesellschaftlichen Produktivitätssteigerung.

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